SAP Core Data Services (CDS) helfen Unternehmen dabei, Datenmodelle in SAP-Systemen sauber, wiederverwendbar und performant aufzubauen. Besonders in SAP S/4HANA, ABAP und modernen Cloud-Szenarien schaffen CDS eine semantische Schicht, über die Anwendungen, Analysen und Benutzeroberflächen auf ein einheitliches Datenmodell zugreifen. In diesem Artikel erläutern wir, wie CDS die Effizienz Ihrer SAP-Systeme steigern und dabei helfen kann, komplexere Datenstrukturen leichter zu verwalten.
Das Wichtigste im Überblick
- Zentrale Datenmodellierung: SAP CDS bündelt fachliche Datenlogik in wiederverwendbaren Modellen und reduziert dadurch Redundanzen in Entwicklung und Betrieb.
- Performance durch Code Pushdown: CDS bringt datenintensive Logik näher an die Datenbank und nutzt die Stärken von SAP HANA, insbesondere bei analytischen und transaktionalen Szenarien.
- Moderne ABAP-Entwicklung: In aktuellen ABAP-Systemen spielen CDS View Entities eine zentrale Rolle und lösen klassische DDIC-basierte CDS-Views zunehmend ab.
- Breiter Einsatzkontext: CDS ist nicht nur für ABAP und SAP HANA relevant, sondern auch im SAP Cloud Application Programming Model (CAP) ein wichtiger Baustein für Datenmodelle und Services.
Warum SAP CDS für Datenmodelle wichtig ist
SAP CDS macht Datenmodelle systemübergreifend nutzbar und schafft eine zentrale Grundlage für Anwendungen, Analysen und Geschäftsprozesse. Dadurch sinkt der Entwicklungsaufwand, während Daten konsistenter und leichter wiederverwendbar bleiben. Mit SAP HANA hat SAP die Core Data Services als moderne Infrastruktur für die Datenmodellierung eingeführt. CDS bringt fachliche Logik näher an die Datenbank, verbessert die Performance und reduziert technische Komplexität. Gleichzeitig entsteht ein einheitliches Datenmodell für transaktionale und analytische Szenarien, von Suche über operative Prozesse bis hin zu Reporting und Analyse.
Datenbankmodell
Ein Datenmodell legt fest, wie ein Datenbanksystem Informationen strukturiert, speichert und verarbeitet. Es definiert Tabellen, Attribute und Beziehungen zwischen Datenobjekten, zum Beispiel Kundendaten, Aufträge oder Produkte.
Außerdem beschreibt es, welche Operationen möglich sind, etwa das Eintragen, Abfragen oder Ändern von Daten. Integritätsbedingungen sorgen dafür, dass die Daten konsistent bleiben. So lassen sich doppelte Einträge, fehlerhafte Werte oder unzulässige Datenbeziehungen vermeiden.
SAP HANA Architektur
SAP HANA ist als In-Memory-Plattform konzipiert. Das bedeutet: Daten lassen sich besonders schnell verarbeiten, weil SAP HANA große Teile der Verarbeitung direkt in der Datenbank ausführt und die Stärken des Arbeitsspeichers nutzt.
Statt Daten zunächst an den Applikationsserver zu übertragen und dort weiterzuverarbeiten, verfolgt SAP HANA das Prinzip „Code-to-Data“. Die Logik rückt also näher an die Datenbank. Das reduziert Datenbewegungen, beschleunigt Abfragen und verbessert die Performance – besonders bei großen Datenmengen und komplexen Analysen.
Operationen
Datenbankoperationen lassen sich grob in transaktionale und analytische Prozesse unterteilen. Transaktionale Prozesse, auch OLTP genannt, betreffen einzelne Datensätze, etwa das Anlegen, Ändern oder Lesen eines Kundenauftrags. Analytische Prozesse, auch OLAP genannt, werten dagegen viele Datensätze aus, zum Beispiel für Reports oder Dashboards.
SAP CDS unterstützt beide Szenarien, indem es transaktionale und analytische Anforderungen in einem semantischen Datenmodell zusammenführt. Dadurch können Unternehmen operative Prozesse und Auswertungen konsistenter abbilden und Daten effizienter nutzen.
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SAP CDS-Komponenten
Um semantisch komplexe Arten von Geschäfts- und anderen Datenobjekten einfach zu handhaben, gibt es über die Basissprache SQL hinaus Lösungen wie das Business Object Processing Framework für SAP ABAP oder das Enterprise Objects Framework in Java. Um Fragmentierung, Aufwand und Redundanz durch solche zusätzlichen Lösungen zu vermeiden, führte SAP HANA die Core Data Services als eigene Dienste für komplexe Datenmodelle ein.
SAP CDS unterstützt wie die meisten Datenbanken die Datenbanksprache SQL für Definition, Abfrage und Änderung von Daten. SAP CDS erweitert den SQL-Standard außerdem um Funktionen, die die traditionellen transaktionalen und analytischen Modelle für Datendefinition, Datenabfrage und Datenmanipulation vereinheitlichen. Die Datenmodelle werden in DDL (Data Definition Language) ausgedrückt und sind als sog. CDS-Views definiert. Diese können in SAP ABAP-Anwendungen für Datenbankzugriff verwendet werden.
SAP CDS umfasst folgende domänenspezifischen Sprachen:
- Data Definition Language (DDL): Diese Datendefinitionssprache ermöglicht es, semantisch reichhaltige Datenmodelle, d.h. Datenbanktabellen und -ansichten (CDS-Entitäten) und benutzerdefinierter Typen zu definieren
- Query Language (QL): Diese Abfragesprache erlaubt die effiziente Abfrage von Daten, die auf den DDL-Datenmodellen basieren. Sie erlaubt es ferner, Views zur Vereinfachung des Zugriffs innerhalb der Datenmodelle zu definieren
- Expression Language (EL): Diese Ausdruckssprache dient bei Abfragen der Query Language zur Festlegung von z.B. Standardwerten und Einschränkungen.
Datendefinitionssprache DDL
Mit der CDS Data Definition Language (CDS DDL) definieren Entwickler semantische Datenmodelle direkt im SAP-Kontext. Dazu gehören Entitäten, Views, Assoziationen, Annotationen und benutzerdefinierte Datentypen. Diese Modelle beschreiben nicht nur technische Tabellenstrukturen, sondern auch fachliche Bedeutungen, Beziehungen und Nutzungskontexte.
In modernen ABAP-Systemen stehen heute vor allem CDS View Entities im Fokus. Sie werden mit DEFINE VIEW ENTITY definiert und gelten als Nachfolger der klassischen DDIC-basierten CDS-Views. Klassische CDS-Views mit DEFINE VIEW sind weiterhin in bestehenden Systemen anzutreffen, sollten bei Neuentwicklungen jedoch nicht mehr automatisch die erste Wahl sein.
CDS View Entities bieten unter anderem eine klarere technische Struktur, strengere Prüfungen und Vorteile bei Aktivierung, Wartung und Weiterentwicklung. Damit passen sie besser zu modernen ABAP-Architekturen, SAP Fiori, analytischen Szenarien und dem ABAP RESTful Application Programming Model.
Vorteile
SAP CDS bietet eine Reihe von Vorteilen für Unternehmen und Entwickler. Besonders hilfreich sind folgende Eigenschaften von SAP CDS:
- Semantisch reiche Datenmodelle: CDS baut auf dem bekannten Entity-Relationship-Modell auf und ist sehr nah am konzeptionellen Denken. Das macht die Arbeit mit CDS deutlich intuitiver.
- Effizienz: CDS bietet eine Vielzahl hocheffizienter integrierter Funktionen zum Erstellen von Ansichten wie SQL-Operatoren, Aggregationen und Ausdrücke.
- Kompatibilität: Die CDS Dienste basieren auf Open SQL, das von allen wichtigen Datenbankanbietern unterstützt wird. Die hohe Kompatibilität macht die Implementierung und Nutzung sehr unkompliziert.
- Annotationen: Die CDS Syntax unterstützt domänenspezifische Annotationen zur Anreicherung der Datenmodelle mit zusätzlichen (domänenspezifischen) Metadaten, die von anderen Komponenten wie der Benutzeroberfläche und den Analyse-Diensten ausgewertet werden können.
- Konzeptionelle Assoziationen: Mit CDS können Verknüpfungen als Beziehungen zwischen verschiedenen Ansichten definiert werden. Dadurch können Verknüpfungen durch einfachere Ausdrücke in Abfragen ersetzt werden.
- Erweiterbarkeit: Von SAP definierte CDS-Ansichten können mit Feldern erweitert werden, die der CDS-Ansicht zusammen mit ihrer Verwendungshierarchie automatisch hinzugefügt werden.
SAP CDS in SAP HANA
Mit der Entwicklung von SAP HANA fand insgesamt ein Paradigmenwechsel in der SAP Software statt. Datenintensive Logik wurde auf die Datenbankebene verlagert. Anstatt Daten für Operationen aus Datenbanken zunächst in einen temporären Speicher zu kopieren, werden Operationen wenn möglich direkt in der im Arbeitsspeicher liegenden Datenbank ausgeführt. Dadurch kann eine höhere Performance erzielt werden.
SAP ABAP
SAP ABAP (Advanced Business Application Programming) ist eine Plattform zur Entwicklung von individuellen SAP-Anwendungen. Die Datenmodellierung kann durch Core Data Services in SAP HANA und auf dem SAP ABAP Anwendungsserver nach denselben Entwurfsprinzipien erfolgen.
Um die Vorteile von SAP HANA für die Anwendungsentwicklung zu nutzen, hat SAP die Core Data Services als neue Datenmodellierungsinfrastruktur auch in SAP ABAP eingeführt. Mit Datenmodellen wird dadurch nicht auf dem Anwendungsserver, sondern auf dem Datenbankserver gearbeitet. Datenmodelle können unabhängig von der SAP Technologieplattform (ABAP oder HANA) auf dieselbe Weise definiert und verwendet werden.
ABAP Dictionary und CDS-Ansichten
Für die Entwicklung von SAP-Anwendungen braucht es Werkzeuge zur Datenmodellierung. Traditionell übernimmt diese Aufgabe das ABAP Dictionary: Es verwaltet zentrale Metadaten wie Tabellen, Views und Datentypen, auf die ABAP-Programme mit Open SQL zugreifen können.
Mit SAP CDS erweitert SAP diese klassische Datenmodellierung um eine semantische Ebene. Entwickler beschreiben Datenmodelle nicht mehr nur technisch, sondern reichern sie mit fachlichen Informationen, Beziehungen, Berechtigungen und Metadaten an. Dadurch lassen sich Datenmodelle besser wiederverwenden und einfacher in moderne SAP-Anwendungen integrieren.
In ABAP CDS wurden zunächst klassische CDS-Views mit DEFINE VIEW genutzt. In modernen ABAP-Systemen stehen jedoch zunehmend CDS View Entities mit DEFINE VIEW ENTITY im Fokus. Sie sind schlanker, wartungsfreundlicher und besser auf aktuelle SAP-Architekturen wie SAP Fiori und das ABAP RESTful Application Programming Model ausgerichtet.
Annotationen und Assoziationen helfen zusätzlich dabei, Datenmodelle mit Technologien wie OData oder SAP UI5 zu verbinden. So lassen sich Daten aus SAP-Systemen leichter für Oberflächen, Schnittstellen und analytische Anwendungen bereitstellen.
SAP CDS-Architektur
Die SAP-CDS-Architektur lässt sich grob in drei Ebenen einteilen:
- Datenbankebene: Hier werden Daten gespeichert und verarbeitet. Für besonders performante Szenarien wird häufig SAP HANA eingesetzt.
- Anwendungsebene: Komponenten wie AS ABAP und SAP Gateway stellen Geschäftslogik und Schnittstellen bereit.
- Präsentationsebene: Benutzer greifen zum Beispiel über SAP Fiori auf Anwendungen und Daten zu.
ABAP CDS vs. HANA CDS
Beide verfolgen ähnliche Ziele, werden aber in unterschiedlichen Kontexten eingesetzt. ABAP CDS ist in ABAP-Systeme integriert und unterstützt typische SAP-Anforderungen wie Berechtigungen, Mandantenfähigkeit und Open-SQL-Kompatibilität. HANA CDS ist stärker auf die direkte Modellierung in SAP HANA ausgerichtet.
Für neue Projekte ist wichtig, den passenden CDS-Kontext bewusst zu wählen. In ABAP- und S/4HANA-Szenarien spielt ABAP CDS meist die zentrale Rolle. In Cloud-nahen Entwicklungen kommt zusätzlich CDS im SAP Cloud Application Programming Model infrage.


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Fazit
SAP Core Data Services sind auch heute ein zentraler Baustein für performante, wiederverwendbare und fachlich verständliche Datenmodelle in SAP-Landschaften. Allerdings hat sich die Technologie weiterentwickelt: Neben klassischen CDS-Views sollten Unternehmen heute vor allem CDS View Entities, ABAP CDS, HANA-spezifische Modellierung und CAP-Szenarien sauber voneinander abgrenzen. Wer CDS richtig einsetzt, reduziert Komplexität, beschleunigt Entwicklungen und schafft eine stabile Grundlage für SAP Fiori, Analytics, S/4HANA-Erweiterungen und moderne Cloud-Anwendungen.
Sie möchten prüfen, wie Sie SAP CDS in Ihrer Systemlandschaft optimal einsetzen oder bestehende CDS-Modelle modernisieren können? Sprechen Sie uns gerne an, wir unterstützen Sie bei Analyse, Architektur und Umsetzung.
Dieser Artikel wurde bereits im August 2019 veröffentlicht und am 03. Juli 2026 mit leichten Anpassungen aktualisiert.
FAQ
Was ist SAP CDS?
SAP Core Data Services, kurz SAP CDS, sind eine Technologie zur semantischen Datenmodellierung in SAP-Systemen. Mit CDS definieren Entwickler Datenmodelle, Views, Beziehungen, Berechtigungen und Metadaten zentral und wiederverwendbar. Dadurch lassen sich Daten nicht nur technisch abfragen, sondern auch fachlich verständlich strukturieren.
Wofür wird SAP CDS eingesetzt?
SAP CDS wird vor allem genutzt, um Datenmodelle für SAP S/4HANA, SAP Fiori, Analytics, Schnittstellen und Erweiterungen bereitzustellen. Unternehmen schaffen damit eine einheitliche Grundlage für transaktionale und analytische Anwendungen. Das reduziert Redundanzen, beschleunigt Entwicklungen und sorgt für konsistentere Datenmodelle.
Was sind CDS View Entities?
CDS View Entities sind die moderne Form von CDS-Views in ABAP. Sie werden mit DEFINE VIEW ENTITY definiert und gelten heute in vielen Szenarien als bevorzugter Ansatz gegenüber klassischen DDIC-basierten CDS-Views. Sie bieten eine klarere technische Struktur, verbessern die Wartbarkeit und passen besser zu aktuellen ABAP-Architekturen.
Welche Vorteile bietet SAP CDS?
SAP CDS sorgt für klarere Datenmodelle, weniger Redundanzen und eine bessere Wiederverwendbarkeit. Entwickler können fachliche Logik zentral abbilden, statt sie mehrfach in Anwendungen zu verteilen. Außerdem unterstützt CDS moderne SAP-Szenarien wie SAP Fiori, Analytics, OData-Services, S/4HANA-Erweiterungen und Cloud-Anwendungen.
Wer kann mir beim Thema SAP Core Data Services (CDS) helfen?
Wenn Sie Unterstützung zum Thema SAP Core Data Services (CDS) benötigen, stehen Ihnen die Experten von Compamind, dem auf dieses Thema spezialisierten Team der mindsquare AG, zur Verfügung. Unsere Berater helfen Ihnen, Ihre Fragen zu beantworten, das passende Tool für Ihr Unternehmen zu finden und es optimal einzusetzen. Vereinbaren Sie gern ein unverbindliches Beratungsgespräch, um Ihre spezifischen Anforderungen zu besprechen.
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