Markus Postler
 - 6. August 2020

Qlik Sense – Das kann Self Service im Business Intelligence-Umfeld

Viele Business Intelligence-Lösungen beruhen auf jahrelanger Erfahrung im Umgang mit Daten, statistischen Methoden und der dazugehörigen Software. Nicht immer ist diese Expertise in Projekten einfach und unmittelbar verfügbar und insbesondere einmalige Entwicklungen verursachen hohe Kosten und Zeitaufwände. Hingegen ermöglicht Self-Service im Business Intelligence-Umfeld den Fachanwendern ihre eigenen Auswertungen zu verwirklichen. Ist dies ein guter Ersatz für das klassische Vorgehen? Qlik Sense zeigt eine Perspektive auf.

Qlik Sense ist eine Self-Service Business Intelligence-Lösung des Unternehmens QlikTech. Es ermöglicht auf Basis vieler unterschiedlicher Datenquellen die einfache Erstellung von Reports. Dabei können Anwender anhand ihrer Fragestellungen selbst bestimmen, auf welche Aspekte der Auswertung sie sich fokussieren wollen. Qlik Sense bietet zudem sehr schnelle Schreib- und Zugriffszeiten, da die Daten wie bei SAP HANA-Datenbanken im Arbeitsspeicher gehalten werden.

Diese Features sind enthalten

Qlik Sense wird aktuell sowohl als Cloud-Lösung als auch On-Premise angeboten. Bei der Cloud-Lösung bietet QlikTech zwei Varianten an: Business und Enterprise. Während Qlik Sense Business für kleine Teams und Gruppen gedacht ist, kommt Qlik Sense Enterprise mit einer integrierten Anbindung an SAP-Systeme, Single-Sign-On und unbegrenzten kollaborativen Entwicklungsumgebungen. Alle anderen Features werden von beiden Versionen integriert.
Bis Juni 2020 stand die Desktop-Lösung von Qlik Sense für Privatanwender kostenlos zur Verfügung. Jetzt kann ohne Lizenz nur noch eine zeitlich limitierte Testversion verwendet werden.

Anbindung unterschiedlicher Datenquellen und Extraktion

Neben einer Menge bekannte Datenbanksysteme und Flatfiles können auch Daten von Salesforce, Amazon, Google Analytics und über REST integriert werden. Achtung: Die Maximalgrenze für CSV ist in der Cloud-Testversion 500mb! Mit einer Cloud-Enterprise-Lizenz können auch SAP-Systeme angebunden werden. Dies funktioniert über den SAP Connector, der bei der On-Premise-Lösung aber ebenfalls dazugekauft werden kann.

Bevor die Daten letztendlich von Qlik Sense weiterverarbeitet werden, ist es auch möglich, diese in sogenannten QlikView-Data-Dateien (QVD) zu speichern. Diese fungieren als eine Art komprimierter Puffer. QVDs können zum Einen die Ladegeschwindigkeit erhöhen und zum Anderen die Last von den Datenquellen nehmen. Es empfiehlt sich, über diese auch Delta-Loads zu realisieren. Alte, bereits bekannte Daten werden in QVDs gespeichert, während neue Datensätze aus der Datenquelle kommen und später der QVD hinzugefügt werden.

Bei Qlik Sense bestimmt der Anwender den Zeitpunkt des Ladens von den Datenquellen. Sind die Daten einmal im Arbeitsspeicher, wird standardmäßig bei Veränderungen im Datenmodell und neuen Auswertungen die Datenextraktion nicht erneut angestoßen.

Datenexploration und -aufbereitung

Aus Anwendersicht bietet Qlik Sense gleich drei unterschiedliche Wege, um Einsichten in die angebundenen Daten zu gewinnen und diese entsprechend anzupassen und zu verknüpfen.

  • Der Datenmanager zeigt und bestimmt die Verknüpfungen der unterschiedlichen Datenquellen. Er eignet sich, um einen Überblick über die Gesamtheit der Daten zu bekommen.
  • Das Datenmodell erfüllt die gleichen Funktionen wie der Datenmanager. Die Datenquellen werden dagegen im UML-Form angezeigt. Das Datenmodell legt mehr Wert auf die Felder in den Tabellen und bietet so auch die Funktionen, einzelne Felder als Dimension oder Kennzahl zu bestimmen.
  • Der Dateneditor bietet schließlich den vollen Funktionsumfang von QlikSense. Hier können mit einer an SQL-ähnlichen Programmiersprache Daten auch transformiert und explizit QVDs benutzt werden. Die Verwendung wird nur bei entsprechenden QlikSense-Kenntnissen empfohlen.

Zudem verbessert die Qlik Associative Engine die Performance und erleichtert die spätere Navigation durch die Daten.

Eine Palette von Visualisierungen

Qlik Sense bietet hinsichtlich Visualisierungen eine breite Palette von vorgefertigten Tabellen, Diagrammen und Filterfunktionen. Der Nutzer kann mit allen Visualisierungen interagieren, wodurch verschiedene Sichten auf gleiche und ähnliche Aspekte ermöglicht werden. Aufgrund des Self-Service-Aspektes ist es sehr schwer und komplex, die Elemente bis ins kleinste Detail anzupassen. Es ist möglich, eigene Elemente zu definieren. Allerdings übernimmt QlikTech keinen Support für Erweiterungen, die Qlik Sense-fremde Ressourcen nutzen oder auf undokumentierte Funktionen innerhalb der Software zugreifen. Da Qlik Sense-Visualisierungen aus HTML und JavaScript bestehen, sind diese auch responsiv und eignen sich für Touch-Oberflächen. Seit April 2018 analysiert außerdem eine KI die Daten und schlägt Anwendern auf Wunsch geeignete Kennzahlen und Visualisierungen vor.

Weitere Funktionen für den Self-Service

Um die Benutzung von Qlik Sense anwenderfreundlich zu gestalten, können Visualisierungen auf Arbeitsblätter aufgeteilt werden. Nutzer können Lesezeichen setzen, die die aktuellen Filter- und Visualisierungseinstellungen speichern. Desweiteren können sie Arbeitsblättern Stories hinzugefügt werden, um kurze Präsentationen zu ermöglichen. Auch Excel-Exporte bei Tabellen sind möglich.

Qlik Sense vs QlikView

Qlik Sense wurde 2014 auf den Markt gebracht, um seinen Vorgänger QlikView abzulösen. QlikView legt den Fokus weniger auf Self-Service aber dafür sind komplexere und pixelgenaue Anwendungen möglich, die meist vom Entwickler für den Entscheider vorgedacht werden. QlikTechs Strategie bestand in den letzten Jahren daraus, Qlik Sense mit immer mehr Funktionen anzureichern. Somit kann davon ausgegangen werden kann, dass Qlik Sense zukünftig alle primären Funktionen von QlikView unterstützen wird. Im Juni 2020 wurde zudem die kostenlose Vergabe der Lizenz für die Qlik Sense-Desktop-Version eingestellt. Der Fokus von Qlik Sense liegt also zukünftig eher auf mobilen Endgeräten und Cloud-Lösungen.

Fazit

Qlik Sense besticht mit seiner Einfachheit und Anwenderfreundlichkeit. Nutzer können Auswertungen nach ihren eigenen Vorstellungen und Wünschen erstellen und genießen dabei durch die Datenhaltung im Arbeitsspeicher und die Qlik Associative Engine gute Performance. Anwender können viele unterschiedliche Datenquellen anbinden. Die vorgefertigten Visualisierungselemente ermöglichen eine intuitive Navigation und es besteht die Möglichkeit, eigene Elemente zu entwickeln. Weniger gut eignet sich Qlik Sense allerdings für die Erstellung komplexer Dashboards und Reports mit präzisen Anforderungen. Hier sollte der Einsatz einer anderen Software erwogen werden.



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